Ein Rasen wird nie zufällig von Unkraut überwuchert. Jedes Unkraut, das sich ansiedelt, verrät etwas über den Boden, das Mähen oder die Bewässerung, und jedes erfordert eine passende Gegenmaßnahme. Wenn Sie Unkräuter erkennen, bevor Sie eingreifen, verändert das Ergebnis grundlegend: Klee wird nicht wie Wegerich behandelt, und Gundermann erfordert eine andere Methode als Vogelmiere. Die gute Nachricht: Ein zum richtigen Zeitpunkt angewendetes selektives Rasen-Unkrautvernichtungsmittel beseitigt die große Mehrheit dieser Unkräuter, ohne den Rasen zu schädigen. So erkennen Sie die häufigsten Arten, erfahren, was ihr Auftreten verrät, und lernen die Methode kennen, mit der Sie wieder einen dichten Rasen erhalten.
Wie erkennt man Unkräuter im Rasen?
Drei Beobachtungskriterien genügen, um fast alle Rasenarten einzuordnen.
Die Blattform. Sie ist das entscheidende Kriterium. Achten Sie auf die Nervatur: Wenn die Blattadern parallel verlaufen und von einem Ende des Blattes zum anderen reichen, handelt es sich um ein Gras. Wenn sie ein verzweigtes Netz bilden, das von einer Mittelrippe ausgeht, ist es eine zweikeimblättrige Pflanze. Alle Pflanzen, die wir uns ansehen werden, gehören zu dieser zweiten Familie – mit Ausnahme der Quecke.
Die Wuchsform der Pflanze. Drei Formen kommen häufig vor. Die bodennahe Rosette, wie beim Löwenzahn oder Wegerich. Der kriechende Wuchs mit Ausläuferstängeln, wie beim Klee und Gundermann. Der aufrechte Wuchs, wie bei der Distel.
Die Blüte. Farbe, Form und Anordnung der Blüten beseitigen die letzten Zweifel. Oft ist dies der Moment, in dem die Bestimmung selbst ohne Vergleichsfoto eindeutig wird.
Diese Unterscheidung zwischen Gräsern und zweikeimblättrigen Pflanzen bestimmt alles Weitere. Ihr Rasen besteht aus Gräsern. Ein selektives Unkrautvernichtungsmittel wurde dafür entwickelt, zweikeimblättrige Pflanzen zu bekämpfen und gleichzeitig die Gräser zu schonen: Genau dadurch kann es einen Rasen von Unkraut befreien, ohne Spuren zu hinterlassen.
Die häufigsten Unkräuter im Rasen, Art für Art
Der Weißklee
Erkennungsmerkmale: drei abgerundete Fiederblättchen, oft mit einem helleren weißen Halbmond, kriechende Stängel, die an den Knoten Wurzeln bilden, sowie weiße Blüten, die in kleinen, von Bienen stark besuchten Köpfchen angeordnet sind.
Was er verrät: Klee ist eine Leguminose, die Stickstoff aus der Luft binden kann. Daher gedeiht er dort, wo dem Rasen Stickstoff fehlt. Ein von Klee überwucherter Rasen ist fast immer ein unterdüngter Rasen.
Behandlung: Das selektive Herbizid wirkt gut gegen diese zweikeimblättrige Pflanze. Wenn Sie den Stickstoffmangel jedoch nicht beheben, kommt sie zurück. Behandlung und Düngung gehören zusammen.
Der Ehrenpreis
Erkennung: kleine, abgerundete Blätter mit gezähntem Rand, entlang liegender Stängel angeordnet, die einen dichten Teppich bilden. Kleine Blüten mit vier Blütenblättern von charakteristischem leuchtendem Blau, die an feinen Blütenstielen sitzen.
Was sie verrät: Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche Böden und profitiert von Bereichen, in denen der Rasen lichter geworden ist.
Behandlung: Durch ihren niederliegenden Wuchs kann sie unter dem Mähmesser hindurchwachsen, was das Ausreißen mühsam macht. Sie gehört zu den Arten, die von selektiven Rasenformulierungen ausdrücklich bekämpft werden, und diese bleiben der direkteste Weg.
Die Gundelrebe
Erkennung: Sie ist die Pflanze, nach der viele unter dem Begriff „herzförmige Blätter“ suchen. Ihre Blätter sind tatsächlich herzförmig, beinahe nierenförmig, mit einem gekerbten Rand, und paarweise gegenständig entlang des Stängels angeordnet. Zwei Merkmale bestätigen die Bestimmung: Der Stängel ist bei Berührung vierkantig, und zerdrücktes Laub verströmt einen ausgeprägt aromatischen Geruch. Im Frühjahr violette Blüten in kleinen Röhren.
Was sie verrät: Sie besiedelt gern frische, halbschattige Bereiche, häufig am Rand von Hecken oder unter Bäumen.
Behandlung: Ihre kriechenden Ausläufer wurzeln regelmäßig und machen sie zu einer effektiven Kolonisatorin. Sie gehört zu den Hauptzielarten selektiver Rasenherbizide, wobei die Behandlung umso besser wirkt, je stärker das Blattwerk entwickelt ist.
Die Vogelmiere, auch als Vogel-Sternmiere bezeichnet
Erkennung: kleine, ovale und spitze, gegenständig angeordnete Blätter an zarten, brüchigen Stängeln. Das eindeutige Erkennungsmerkmal: eine Reihe feiner Haare, die nur an einer Seite des Stängels entlangläuft und an jedem Knoten die Seite wechselt. Winzige weiße Blüten mit fünf Blütenblättern, die so tief eingeschnitten sind, dass man glaubt, zehn zu zählen.
Was er verrät: einen nährstoffreichen, frischen und gut mit Stickstoff versorgten Boden. Er ist eine Pflanze für gute Böden.
Behandlung: Sein Zyklus ist kurz und sein Wurzelsystem oberflächlich, sodass er sich auf kleinen Flächen leicht von Hand entfernen lässt. Auf einer größeren Fläche ist eine selektive Behandlung deutlich schneller.
Der Löwenzahn
Erkennung: Rosette aus tief eingeschnittenen Blättern mit spitzen Zähnen, weißer Milchsaft beim Brechen, zunächst eine einzelne gelbe Blüte, danach eine kugelförmige, flauschige Frucht.
Was er verrät: Er breitet sich auf verdichteten Flächen und in den Lücken eines lückigen Rasens aus.
Behandlung: Seine Pfahlwurzel kann eine beträchtliche Tiefe erreichen, weshalb teilweises Ausreißen wenig erfolgversprechend ist. Ein systemisches Produkt, das bis zu dieser Wurzel vordringt, ist die direkteste Lösung. Wir haben dieser Art einen vollständigen Artikel gewidmet, einschließlich einer ausführlichen Anleitung, wie Sie Löwenzahn im Rasen entfernen.
Das Gänseblümchen
Erkennung: Rosette aus kleinen, spatelförmigen, am Boden anliegenden Blättern sowie die allseits bekannte weiße Blüte mit gelber Mitte.
Was sie verrät: Fast immer wirken zwei Ursachen zusammen: ein verdichteter Boden und ein zu kurzer Rasenschnitt, der den Rasen schwächt, ohne das Gänseblümchen zu beeinträchtigen.
Behandlung: Sie reagiert gut auf selektiven Rasen-Unkrautvernichter. Eine höhere Schnitthöhe verhindert als Ergänzung ihr Wiederkommen.
Der Wegerich
Erkennung: Rosette aus je nach Art breiten oder lanzettlichen Blättern mit sehr ausgeprägten parallelen Blattadern, die von der Basis ausgehen, sowie ein aufrechter Blütenstand an einem blattlosen Stängel.
Was sie verrät: Sie ist der beste Indikator für verdichteten Boden. Man findet sie bevorzugt auf häufig begangenen Flächen, an Wegrändern und in Spielbereichen.
Behandlung: Eine selektive Unkrautbekämpfung wirkt, und mechanisches Lockern des Bodens beseitigt die Ursache.
Die Ackerkratzdistel
Erkennung: längliche, eingeschnittene Blätter mit stechenden Dornen am Rand, aufrechter Wuchs, violette Blüten in körbchenförmigen Blütenständen.
Was sie verrät: Es handelt sich um eine ausdauernde Pflanze mit kriechenden Wurzeln, die in einiger Entfernung vom ursprünglichen Standort wieder auftauchen kann.
Behandlung: Erforderlich ist ein systemisches Produkt, das bis zum Wurzelsystem vordringt. Planen Sie eine Nachbehandlung eventuell erneut austreibender Pflanzen ein: Diese Art von ausdauerndem Unkraut wird langfristig und nicht mit einer einmaligen Anwendung bekämpft.
Die Ackerwinde
Erkennung: pfeilförmige Blätter, windende Stängel, die sich um alles ranken, was ihnen in die Quere kommt, weiße oder rosafarbene trichterförmige Blüten.
Was sie verrät: Im Rasen stammt sie meist von einem Randbereich, einem angrenzenden Beet oder einer benachbarten Böschung.
Behandlung: Ihre Wurzeln reichen tief hinab, weshalb auch hier eine systemische Behandlung und etwas Ausdauer erforderlich sind. Behandeln Sie außerdem den Ursprungsherd am Rand, um eine erneute Ausbreitung zu verhindern.
Quecke – ein Sonderfall
Erkennung: bandförmige Blätter mit parallelen Blattnerven, also ein Gras, mit zwei kleinen Öhrchen, die den Halm am Blattgrund umschließen, sowie weißen, spitzen Rhizomen unter der Oberfläche.
Behandlung: Da es zur gleichen botanischen Familie wie Ihr Rasen gehört, erfordert es einen speziellen Ansatz statt einer selektiven Behandlung. Die Vorgehensweise erläutern wir ausführlich in unserem speziellen Artikel zum dauerhaften Entfernen von Quecke.
Wie behandelt man Unkraut im Rasen?
Drei Ansätze ergänzen sich, jeder auf seinem jeweiligen Gebiet.
Das manuelle Ausreißen ist bei einzelnen Befallsherden und gut sichtbaren Blattrosetten weiterhin sinnvoll. Verwenden Sie ein Unkrautmesser, um der Pfahlwurzel von Löwenzahn und Wegerich zu folgen, und arbeiten Sie auf abgetrocknetem Boden am Tag nach einem Regen. Bei einem großflächig besiedelten Rasen wird die Arbeit langwierig und hinterlässt Lücken, die nachgesät werden müssen.
Die selektive Behandlung ist die bewährte Lösung, sobald der Befall über einige wenige Büschel hinausgeht. Das Prinzip ist einfach: Das Produkt wirkt gegen zweikeimblättrige Unkräuter und schont die Gräser Ihres Rasens. Es wird im Saftstrom der Zielpflanze vom Laub bis zur Wurzel transportiert, was seine Wirksamkeit bei tiefwurzelnden mehrjährigen Pflanzen erklärt.
Die Anwendungsbedingungen bestimmen das Ergebnis ebenso stark wie das Produkt:
Wenden Sie das Mittel auf einem trockenen Rasen an, gemäß den Empfehlungen des Herstellers etwa fünf Tage nach dem Mähen, damit die Unkräuter über ausreichend Blattfläche verfügen.
Wählen Sie ein Zeitfenster, für das in den darauffolgenden Stunden weder Regen noch Frost angekündigt sind.
Halten Sie die angegebene Konzentration ein, ohne sie zu überschreiten. Beim COMPO-Konzentrat beispielsweise empfiehlt der Hersteller 50 ml in 5 Litern Wasser für 50 m² zum Sprühen oder 10 ml in 10 Litern für 10 m² zum Gießen mit der Gießkanne.
Behandeln Sie gleichmäßig, ohne lokal zu viel Produkt aufzutragen. Ein gleichmäßiger Spritzgang ist wichtiger als die aufgebrachte Menge. Dies erläutern wir ausführlich in unserem Artikel darüber, wie man seinen Sprühgerät einstellt.
Konkretes Beispiel. Auf einer Rasenfläche wächst auf der sonnigen Hälfte Klee, entlang der Hecke Gundermann und in der Mitte stehen drei einzelne Löwenzahnpflanzen. Die richtige Vorgehensweise besteht darin, die drei Löwenzahnpflanzen innerhalb weniger Minuten mit einem Unkrautstecher zu entfernen, anschließend die beiden bewachsenen Bereiche mit einem selektiven Herbizid zu behandeln und schließlich den Bereich, auf dem der Klee wuchs, mit Stickstoff zu düngen. Drei unterschiedliche Maßnahmen für drei Situationen auf derselben Rasenfläche.
Wann sollte man den Rasen von Unkraut befreien? Der richtige Zeitpunkt
Der Zeitpunkt ist ebenso wichtig wie das Produkt, weil die Behandlung der Physiologie der Pflanze folgt.
Der späte Frühling ist der maßgebliche Zeitraum. Das Unkraut wächst kräftig, sein Blattwerk ist entwickelt, der Saftstrom ist aktiv und transportiert das Produkt schnell zu den Wurzeln. In dieser Phase ist die Behandlung am schnellsten und vollständigsten.
Der Frühherbst ist das zweite geeignete Zeitfenster. Mehrjährige Pflanzen verlagern dann ihre Reserven in ihre unterirdischen Organe, und das Produkt wird mit ihnen dorthin transportiert. Das ist besonders günstig bei Arten mit tiefen Wurzeln wie Löwenzahn oder Disteln.
Der Hochsommer erfordert mehr Vorsicht. Bei einem durch Trockenheit gestressten Rasen warten Sie besser auf eine Bewässerung oder einen Regen, lassen die Vegetation einige Tage weiterwachsen und behandeln dann ein sattgrünes Blattwerk.
In der kalten Jahreszeit verlangsamt sich das Pflanzenwachstum. Warten Sie den Beginn des neuen Wachstums ab, um unter guten Bedingungen einzugreifen.
Wie lässt sich eine von Unkraut überwucherte Rasenfläche wiederherstellen?
Wenn die Wiederherstellung die gesamte Fläche betrifft, gehen Sie in dieser Reihenfolge vor.
Stellen Sie zunächst eine Diagnose. Bestimmen Sie die vorherrschenden Arten und was sie anzeigen. Ein Teppich aus Wegerich und Gänseblümchen weist auf verdichteten Boden hin, eine Ausbreitung von Klee auf Stickstoffmangel. Die Behandlung allein behebt nicht die Ursache.
Entfernen Sie die großen Horste von Hand, bevor Sie behandeln – jedoch nur, wenn es sich um klar abgegrenzte Rosetten handelt, deren Lücken Sie anschließend nachsäen können.
Behandeln Sie die Fläche mit einem selektiven Herbizid unter den weiter oben beschriebenen Bedingungen.
Warten Sie die vollständige Austrocknung ab und fahren Sie anschließend mit dem Vertikutierer über die Fläche, um die Rückstände und den angesammelten Rasenfilz zu entfernen.
Belüften Sie den Boden an verdichteten Stellen – mit einer Grabegabel oder einem Hohlzinkenlüfter.
Säen Sie kahle Stellen nach und verwenden Sie Saatgut, das für die jeweiligen Lichtverhältnisse geeignet ist. Harken Sie die Oberfläche vor der Aussaat leicht auf, damit ein guter Kontakt mit dem Boden entsteht.
Düngen Sie entsprechend der Jahreszeit und bewässern Sie anschließend regelmäßig bis zum Auflaufen.
Wie lässt sich das Wiederkehren von Unkräutern verhindern?
Die Vorbeugung beruht auf einem einzigen Grundsatz: Ein dichter Rasen lässt Unkräutern keinen Raum. Dafür genügen vier Maßnahmen der Pflege.
Mähen Sie hoch. Das ist der wirksamste und zugleich am häufigsten vernachlässigte Hebel. Eine großzügige Schnitthöhe beschattet den Boden, hemmt die Keimung von Unkrautsamen und fördert die Wurzelbildung des Rasens.
Düngen Sie regelmäßig und geben Sie zum Saisonende eine Düngung, die den Rasen auf den Winter vorbereitet und einen kräftigen Neustart fördert.
Belüften Sie die stark beanspruchten Bereiche jedes Jahr. Das Auflockern des Bodens nimmt Wegerich und Gänseblümchen ihren Konkurrenzvorteil.
Säen Sie lichte Stellen nach, sobald sie entstehen. Eine kahle Fläche ist eine Einladung – und genau dort beginnt immer die erneute Ausbreitung.
Konkretes Beispiel. Ein Hausbesitzer behandelt seinen Rasen jedes Frühjahr und stellt im folgenden Jahr denselben starken Unkrautbewuchs fest. Indem er einfach die Schnitthöhe erhöht und zusätzlich im Herbst düngt, erhält er einen dichteren Rasen, der neu auflaufende Unkräuter auf natürliche Weise unterdrückt. Die Behandlung beschränkt sich dann auf einzelne Stellen, statt wiederholt den gesamten Rasen zu behandeln.
Unkräuter im Rasen erkennen und behandeln: Das Wichtigste im Überblick
Kurz gesagt: Wer Unkräuter vor der Behandlung erkennt, spart Zeit und erzielt deutlich bessere Ergebnisse. Beobachten Sie die Blattnervatur, um Gräser von zweikeimblättrigen Pflanzen zu unterscheiden, und achten Sie anschließend auf Wuchsform und Blüte, um die Art zu bestimmen. Merken Sie sich die wichtigsten Erkennungsmerkmale: drei Fiederblättchen beim Klee, herzförmige Blätter und ein vierkantiger Stängel bei der Gundelrebe, eine Haarlinie an einer Seite des Stängels beim Vogelmiere und deutlich ausgeprägte parallele Blattnerven beim Wegerich. Jede Art gibt Ihnen außerdem Aufschluss über Ihren Boden – und diese Information ist ebenso wertvoll wie die Behandlung selbst. Setzen Sie anschließend ein selektives Herbizid im späten Frühjahr oder frühen Herbst auf trockenem Rasen und bei aktivem Pflanzenwachstum ein und halten Sie die vom Hersteller angegebenen Mischungsverhältnisse ein. Stärken Sie den Rasen abschließend immer durch höheres Mähen, Düngen, Belüften und Nachsäen. Diese Kombination macht aus einer punktuellen Unkrautbekämpfung einen dauerhaft sauberen Rasen.