Sie haben vor drei Wochen behandelt, und das Unkraut ist immer noch da. Einige Pflanzen sind sogar erneut ausgetrieben. Die Versuchung ist groß, dem Produkt die Schuld zu geben und nach einer anderen Lösung zu suchen. In der großen Mehrheit der Fälle liegt das Ergebnis nicht im Kanister, sondern in der Art und Weise, wie das Produkt angewendet wurde. Ein Glyphosat-Unkrautvernichter ist ein systemisches Herbizid: Seine gesamte Wirksamkeit hängt von den Bedingungen ab, unter denen es angewendet wird. Hier sind die sieben häufigsten Fehler und die konkreten Lösungen, mit denen Sie bereits beim nächsten Durchgang für eine gründliche Unkrautbekämpfung sorgen.
Fehler Nr. 1: Unterdosierung – die häufigste Ursache
Das ist bei Weitem die häufigste Form der Fehlanwendung. Aus Sparsamkeit oder aus Angst, zu viel zu verwenden, verdünnen viele Gärtner ihr Produkt stärker, als auf dem Etikett angegeben. Der Mechanismus ist einfach: Die verfügbare Menge an Wirkstoff muss ausreichen, um bis zu den Wurzeln transportiert zu werden. Bei einer geringeren Menge zeigt das Laub zunächst leichte Schäden, doch die Pflanze treibt aus dem Wurzelstock erneut aus.
Das erklärt die meisten Neuaustriebe bei mehrjährigen Pflanzen mit Rhizomen. Quecke, Winde und Schachtelhalm speichern Reserven tief im Boden, und bis dorthin muss das Produkt gelangen, um ein dauerhaftes Ergebnis zu erzielen.
Konkretes Beispiel. Ein Gärtner behandelt einen von Quecke überwucherten Kiesweg. Er füllt seinen 5-Liter-Sprüher und gießt „ungefähr einen Verschluss“ Konzentrat hinein, ohne abzumessen. Einen Monat später sind die Büschel zurück. Beim erneuten Lesen des Etiketts stellt er fest, dass seine Verdünnung nicht für die Anwendung bei mehrjährigen Unkräutern geeignet war. Das Produkt war nicht das Problem – die Dosierung war es.
Die Lösung: Verwenden Sie einen Messbecher mit Skalierung, niemals einen nach Augenmaß geschätzten Verschluss, und wenden Sie die Konzentration an, die Ihrem Unkrauttyp entspricht. Die Dosierungen unterscheiden sich häufig danach, ob es sich um zarte einjährige oder widerstandsfähige mehrjährige Unkräuter handelt. Unsere ausführlichen Empfehlungen finden Sie in unserem Artikel über die Dosierung und Verdünnung von Glyphosat.
Fehler Nr. 2: Eine gestresste Pflanze oder außerhalb der Vegetationsperiode behandeln
Glyphosat wirkt, indem es sich im Saftstrom bis zu den Wurzeln bewegt. Eine aktiv wachsende Pflanze transportiert ihre Säfte intensiv und befördert das Produkt daher in ihre Reserven. Eine Pflanze im Ruhezustand tut dies deutlich langsamer.
Drei Situationen sollten vor der Behandlung erkannt werden.
Trockenheit. Vertrocknete Unkräuter mit matten, ledrigen Blättern haben einen verlangsamten Stoffwechsel. Wenn man auf Regen wartet und die Vegetation erneut wachsen lässt, verändert sich das Ergebnis grundlegend.
Kälte und Saisonende. Eine ruhende Pflanze transportiert nur wenig in Richtung ihrer Wurzeln. Eine Behandlung während der Hauptwachstumsphase führt zu deutlich besseren Ergebnissen.
Die Pflanze hat Samen gebildet. Ein Unkraut am Ende seines Entwicklungszyklus hat seine Reserven bereits verlagert. Eine Behandlung im jungen Stadium, bevor es Samen bildet, ist deutlich effizienter.
Konkretes Beispiel. Ein Grundstückseigentümer möchte nach einem Monat ohne Regen einen Böschungsabschnitt mit Brombeeren von Bewuchs befreien. Die Blätter sind staubig und zäh. Wartet er nach einem Regen, bis sich etwa zehn Tage lang zarte neue Triebe entwickelt haben, erhält er junges, durchlässiges Laub, sodass die Behandlung anschließend das gesamte Wurzelsystem erreicht.
Die Lösung: Behandeln Sie immer eine Pflanze in aktivem Wachstum mit jungen, kräftig grünen Blättern. Dieser Faktor beeinflusst die Geschwindigkeit des Ergebnisses am stärksten.
Fehler Nr. 3: Unmittelbar vor der Behandlung mähen oder mit dem Freischneider arbeiten
Das ist der kontraintuitivste und zugleich einer der wichtigsten Punkte. Der erste Impuls wirkt logisch: Man räumt die Fläche auf, schneidet das Gröbste zurück und behandelt anschließend, was übrig bleibt. Tatsächlich nimmt diese Reihenfolge dem Produkt jedoch seinen Aufnahmeweg.
Warum? Weil Glyphosat ausschließlich über das Laub aufgenommen wird. Eine frisch gemähte Pflanze bietet nicht mehr die nötige Blattfläche, um das Produkt aufzunehmen.
Die richtige Reihenfolge ist genau umgekehrt: Zuerst behandeln, die Pflanze das Mittel aufnehmen und absterben lassen und erst nach dem vollständigen Vertrocknen schneiden.
Konkretes Beispiel. Ein Landschaftsgärtner muss eine Brachfläche vor der Bepflanzung wieder herrichten. Indem er zunächst die vorhandene Vegetation behandelt und sie erst nach dem vollständigen Vertrocknen mulcht, gewinnt er im Vergleich zu einem vorherigen Freischneiden, bei dem er auf ausreichend neuen Blattaustrieb warten müsste, einen gesamten Durchgang.
Die Lösung: Mähen, mulchen oder reißen Sie vor dem Spritzen nichts aus. Lassen Sie dem Produkt die benötigte Blattfläche.
Fehler Nr. 4: Regen vor oder nach der Anwendung nicht richtig einkalkuliert
Das Wetter ist nach der Dosierung der zweite wichtige Hebel. Glyphosat benötigt Zeit, um die Kutikula der Blätter zu durchdringen. Nach Ablauf dieser Zeit ist es fest in der Pflanze verankert, und Regen kann ihm nichts mehr anhaben.
Auch die umgekehrte Richtung ist wichtig: Auf noch nassem Laub, nach einem Schauer oder bei starkem Morgentau wird die Spritzbrühe verdünnt und neigt dazu abzulaufen. Trockenes Laub gewährleistet eine maximale Haftung.
Die Lösung: Beachten Sie die auf dem Etikett Ihres Produkts angegebene Regenfestigkeit und planen Sie einen ausreichenden Zeitpuffer ein. Behandeln Sie trockenes Laub bei stabiler Wetterlage. Wir haben diesem Thema einen ausführlichen Artikel gewidmet: die einzuhaltende Wartezeit bei Regen.
Fehler Nr. 5: zu hartes Verdünnungswasser
Das ist ein wenig bekannter, aber durchaus realer Faktor. Glyphosat reagiert empfindlich auf die Härte des zur Verdünnung verwendeten Wassers. In sehr kalkhaltigem Wasser, das reich an Kalzium- und Magnesiumionen ist, bindet sich ein Teil des Wirkstoffs an diese Ionen und wird von der Pflanze weniger leicht aufgenommen.
Dieser Parameter ist nicht sofort erkennbar: Die Behandlung wirkt, schöpft ihr Potenzial jedoch nicht vollständig aus, insbesondere bei tief verwurzelten Arten. Ihn zu korrigieren, ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Anpassungen.
Konkretes Beispiel. Zwei Nachbarn behandeln denselben von Ackerwinde überwucherten Randstreifen mit demselben Produkt und derselben Dosierung. Einer verwendet Leitungswasser in einer sehr kalkhaltigen Region, der andere Wasser aus seiner Regenwasserzisterne. Der zweite erzielt bei den Neuaustrieben ein deutlich saubereres Ergebnis. Der Unterschied liegt weder am Produkt noch an der Technik, sondern am Wasser.
Die Lösung: Wenn Ihr Wasser sehr kalkhaltig ist, verwenden Sie zur Herstellung Ihrer Spritzbrühe vorzugsweise Regenwasser. Andernfalls kann ein bei professionellen Händlern erhältlicher Wasseraufbereiter als Zusatzmittel diesen Effekt neutralisieren. Sprühen Sie außerdem möglichst bald nach der Zubereitung, anstatt die Spritzbrühe mehrere Stunden im Tank stehen zu lassen.
Fehler Nr. 6: Eine falsch eingestellte oder schlecht gewartete Ausrüstung
Selbst das beste Produkt benötigt ein einwandfrei funktionierendes Sprühgerät, um die vorgesehene Dosis auszubringen. Drei Punkte sollten vor jedem Einsatz überprüft werden.
Der Zustand der Düsen. Eine saubere und intakte Düse erzeugt einen gleichmäßigen Sprühstrahl und damit eine homogene Abdeckung über die gesamte Arbeitsbreite. So werden schachbrettartige Austriebe auf großen Flächen vermieden.
Die Druckeinstellung. Ein niedriger, konstanter Druck erzeugt Tröpfchen mittlerer Größe – schwer genug, um nicht abzudriften, und fein genug, um das Laub gleichmäßig zu bedecken.
Die Sauberkeit des Tanks. Ein vollständiges Ausspülen nach jedem Gebrauch gewährleistet beim nächsten Einsatz eine homogene Spritzbrühe.
Konkretes Beispiel. Ein Gärtner stellt fest, dass sein gepflasterter Hof nach der Behandlung abwechselnd saubere und noch grüne Streifen aufweist. Bei der Überprüfung seiner Ausrüstung entdeckt er, dass zwei Düsen seiner Spritzgestänge teilweise verstopft waren. Eine einfache Reinigung genügte, um eine gleichmäßige Abdeckung wiederherzustellen.
Die Lösung: Kontrollieren Sie vor Beginn den Sprühstrahl jeder Düse visuell, spülen Sie den Tank nach jedem Gebrauch mit klarem Wasser aus und ersetzen Sie abgenutzte Düsen. Mit einem Test mit klarem Wasser auf einem trockenen Weg lässt sich die Gleichmäßigkeit der Abdeckung in wenigen Minuten überprüfen.
Fehler Nr. 7: Selektivherbizid und Totalherbizid verwechseln
Jede Produktgruppe hat ihren eigenen Einsatzbereich – wer diese kennt, spart viel Zeit.
Ein Selektivherbizid wurde entwickelt, um bestimmte Unkrautfamilien zu bekämpfen und gleichzeitig den Rasen zu schonen. Es ist die richtige Lösung, wenn ein Rasen von Unkraut befreit werden soll, ohne ihn selbst zu schädigen.
Ein Totalherbizid wirkt auf jede grüne Pflanze, die es berührt. Genau das macht es zur Referenz für Wege, Höfe, Randbereiche, Brachflächen und die Bodenvorbereitung vor einer erneuten Nutzung – überall dort, wo eine saubere Fläche das Ziel ist.
Die Lösung: Ermitteln Sie zunächst die zu behandelnde Fläche und das angestrebte Ziel und wählen Sie anschließend die passende Produktgruppe. Total für Flächen, die vollständig von Bewuchs befreit werden sollen, selektiv, sobald ein Rasen erhalten bleiben soll.
So verbessern Sie die Wirksamkeit Ihrer Behandlung: die vollständige Methode
Gehen wir alles in der chronologischen Reihenfolge eines erfolgreichen Einsatzes durch.
Vor der Behandlung bestimmen Sie die vorhandenen Arten und prüfen Sie, ob die Vegetation aktiv wächst und junge, kräftig grüne Blätter aufweist. Wählen Sie ein stabiles Wetterfenster: milde Temperaturen, mäßige Luftfeuchtigkeit, kein Wind und kein Regen innerhalb der auf dem Etikett angegebenen Frist. Mähen Sie nichts.
Beim Ansetzen der Spritzbrühe messen Sie mit einem Messbecher mit Skala ab, verwenden Sie vorzugsweise kalkarmes Wasser und spritzen Sie die Mischung kurz nach dem Ansetzen aus. Überprüfen Sie Ihre Düsen.
Während der Anwendung benetzen Sie das Laub gleichmäßig bis zum Glanzpunkt, ohne dass es zu Ablauf kommt. Arbeiten Sie mit konstantem Druck und gleichmäßiger Geschwindigkeit.
Nach der Behandlung lassen Sie das Produkt wirken. Mähen Sie nicht, reißen Sie nichts aus und behandeln Sie nicht überstürzt erneut. Beobachten Sie ein bis zwei Wochen lang das Auftreten von Vergilbung und anschließendem Welken. Unser Artikel über die Wirkdauer von Glyphosat erläutert diese Abfolge im Detail.
Bei teilweise erneutem Austrieb ist eine gezielte Nachbehandlung ausschließlich der betroffenen Bereiche, sobald die Vegetation wieder austreibt, die von Fachleuten bevorzugte Methode. Sie verbraucht wenig Produkt und sorgt für ein endgültiges Ergebnis.
Ein Wort zu den Anwendungshinweisen. Zu einer kontrollierten Behandlung gehört auch die Beachtung der Angaben auf dem Etikett. Tragen Sie beim Ansetzen der Spritzbrühe Handschuhe und Augenschutz, vermeiden Sie jegliche Abdrift in bewohnte Bereiche, behandeln Sie niemals in der Nähe eines Gewässers und halten Sie die Sicherheitsfrist ein, bevor Sie Kindern und Tieren den Zugang zur Fläche gestatten. Diese Maßnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Anwendung.
Welche ergänzenden Methoden können Sie mit Ihrer Behandlung kombinieren?
Je nach zu behandelnder Fläche können mehrere Methoden eine systemische Behandlung sinnvoll ergänzen. Jede deckt einen bestimmten Bedarf ab, und ihre Kombination ermöglicht es, die Anwendungen deutlich weiter auseinanderzulegen.
Die mechanische Unkrautbekämpfung
Hacke, Unkrauthacke, Unkrautmesser oder Fugenkratzer sind auf kleinen Flächen und bei frisch aufgelaufenen einjährigen Unkräutern unschlagbar. Ideal für punktuelle Nachbesserungen zwischen zwei Behandlungen.
Die thermische Unkrautbekämpfung
Ein Gas- oder Heißwasser-Unkrautvernichter lässt die Zellen des Blattwerks platzen und hinterlässt keine Rückstände. Er ist besonders wirksam bei jungen Trieben auf Wegen und Terrassen und eignet sich ideal zur abschließenden Behandlung frisch aufgelaufener Pflanzen.
Kontaktunkrautvernichter natürlichen Ursprungs
Formulierungen auf Basis von Pelargonsäure wirken schnell und sichtbar auf die oberirdischen Pflanzenteile. Eine gute Ergänzung für von kurzlebigen Arten besiedelte Hartflächen.
Vorbeugung durch Mulch und Bodendecker
Das ist langfristig die rentabelste Investition für Beete und den Bereich am Fuß von Hecken. Eine dicke Mulchschicht entzieht den Samen das Licht, während ein Pflanzvlies das Auflaufen unter Zierpflanzen verhindert.
Die Neuverfugung gepflasterter Flächen
Auf einem Hof oder einer Terrasse verhindert das Verschließen der Fugen mit polymerem Fugensand dauerhaft, dass Unkraut dort keimen kann. In Kombination mit einer gründlichen Erstbekämpfung verwandelt dies eine wiederkehrende Pflege in einen leichten jährlichen Eingriff.
Konkretes Beispiel. Ein Hausbesitzer möchte einen gepflasterten Hof dauerhaft unkrautfrei halten. Durch die Kombination aus einer gründlichen Entfernung des Unkrauts aus den Fugen, einer Neuverfugung mit polymerem Fugensand, der das Ansiedeln neuer Samen verhindert, und einer punktuellen thermischen Behandlung der wenigen nachwachsenden Pflanzen reduziert er die monatliche Pflege auf eine einfache jährliche Kontrolle.
Das Wichtigste auf einen Blick
Kurz gesagt: Wenn ein Unkrautvernichter nicht wie vorgesehen wirkt, lässt sich die Ursache fast immer feststellen. Unterdosierung, Vegetation außerhalb der aktiven Wachstumsphase, vorheriges Mähen, der richtige Zeitpunkt in Bezug auf das Wetter, Wasserhärte, Geräteeinstellung und die Wahl des Produkttyps – diese sieben Faktoren bestimmen die Qualität des Ergebnisses. Sie haben eines gemeinsam: Sie beeinflussen, ob das Produkt bis zu den Wurzeln gelangt, wo es tatsächlich wirkt. Bevor Sie das Produkt wechseln oder die Dosierung erhöhen, gehen Sie diese Liste durch und korrigieren Sie den betreffenden Punkt. In den meisten Fällen genügt eine einfache Anpassung der Vorgehensweise, um bereits bei der nächsten Anwendung eine saubere und nachhaltige Unkrautbekämpfung zu erreichen.